Die Pflegestufen der gesetzlichen Pflegeversicherung

Der Leistungsanspruch in der gesetzlichen Pflegeversicherung bestimmt sich danach, ob und ggf. in welche Pflegestufe der Pflegebedürftige einzustufen ist.

Was sind die Kriterien für die Zuordnung zu einer Pflegestufe?

Um eine Pflegestufe zu erreichen, muss neben einem festgestellten Hilfebedarf in den im Gesetz abschließend beschriebenen Verrichtungen (§ 14 SGB XI), auch eine zeitliche Mindestgrenze erreicht werden.

Sofern der festgestellte Hilfebedarf die zeitlichen Vorgaben nicht erfüllt, weil er zu gering, nicht regelmäßig oder nur kurzzeitig anfallend ist, führt dies nicht zur Anerkennung einer Pflegestufe.

Bin ich auch pflegebedürftig, wenn ich nur einen Hilfebedarf in der hauswirtschaftlichen Versorgung habe?

Leider nein - wenn die Hilfebedürftigkeit nur bei der hauswirtschaftlichen Versorgung (z.B. beim Kochen) vorliegt, besteht keine Pflegebedürftigkeit im Rahmen der gesetzlichen Pflegeversicherung.

Wie lange muss der Hilfebedarf bestehen?

Der Leistungsanspruch nach dem SGB XI setzt eine auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, bestehende Hilfebedürftigkeit bei der Ausübung bestimmter Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens voraus.

Jedoch ist die Pflegebedürftigkeit auf Dauer auch gegeben, wenn der Hilfebedarf nur deshalb nicht über sechs Monate hinausgeht, weil die zu erwartende Lebensspanne voraussichtlich weniger als sechs Monate beträgt.

Wird der Hilfebedarf bei Kindern gleich ermittelt wie bei Erwachsenen?

Nein – Pflegebedürftige Kinder sind zur Feststellung des Hilfebedarfs mit einem gesunden Kind gleichen Alters zu vergleichen.

Zu beachten gilt hierbei, dass nicht der natürliche, altersbedingte Pflegeaufwand des Kindes sondern nur der darüber hinausgehende Hilfebedarf, im Vergleich zu einem gesunden Kind, berücksichtigt wird.

Im ersten Lebensjahr liegt Pflegebedürftigkeit nur ausnahmsweise vor, da ein gesundes Kind ebenfalls einen Hilfebedarf aufweist; die Feststellung einer Pflegestufe in diesem Alter bedarf einer besonderen Begründung.

Pflegestufen und Voraussetzungen zur Einstufung

Pflegestufe 0

Als Pflegestufe 0 wird der Pflegeumfang bezeichnet, für den weniger Zeitaufwand nötig ist als für Pflegestufe I. Eine genaue gesetzliche Regelung gibt es nicht, aber Pflegeheime bieten auch für eine theoretische Pflegestufe 0 Leistungen an. Dies entspricht einer einfachen Unterstützung im Haushalt und einer Pflege von maximal anderthalb Stunden täglich.

Pflegestufe I - Erhebliche Pflegebedürftigkeit

Erhebliche Pflegebedürftigkeit liegt vor, wenn mindestens einmal täglich bei mindestens zwei Verrichtungen aus einem oder mehreren Bereichen der Körperpflege, Ernährung oder Mobilität ein Hilfebedarf gegeben ist. Zusätzlich muss mehrfach in der Woche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigt werden.

Der wöchentliche Zeitaufwand, den ein Familienangehöriger, Lebenspartner, Nachbar oder eine andere nicht als Pflegekraft ausgebildete Pflegeperson für alle für die Versorgung des Pflegebedürftigen erforderlichen Leistungen der Grundpflege und hauswirtschaftlichen Versorgung benötigt, muss im Tagesdurchschnitt mindestens 90 Minuten betragen, wobei auf die Grundpflege mehr als 45 Minuten entfallen müssen.

Pflegestufe II - Schwere Pflegebedürftigkeit

Schwerpflegebedürftigkeit liegt bei einem mindestens dreimal täglich zu verschiedenen Tageszeiten erforderlichen Hilfebedarf bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität vor. Zusätzlich muss mehrfach in der Woche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigt werden.

Der wöchentliche Zeitaufwand, den ein Familienangehöriger, Lebenspartner, Nachbar oder eine andere nicht als Pflegekraft ausgebildete Pflegeperson für alle für die Versorgung des Pflegebedürftigen erforderlichen Leistungen der Grundpflege und hauswirtschaftlichen Versorgung benötigt, muss im Tagesdurchschnitt mindestens drei Stunden betragen, wobei auf die Grundpflege mindestens zwei Stunden entfallen müssen.

Pflegestufe III - Schwerstpflegebedürftigkeit

Schwerstpflegebedürftigkeit liegt vor, wenn der Hilfebedarf so groß ist, dass der konkrete Hilfebedarf jederzeit gegeben ist und Tag und Nacht anfällt (Rund-um-die-Uhr).

Der wöchentliche Zeitaufwand, den ein Familienangehöriger, Lebenspartner, Nachbar oder eine andere nicht als Pflegekraft ausgebildete Pflegeperson für alle für die Versorgung des Pflegebedürftigen erforderlichen Leistungen der Grundpflege und hauswirtschaftlichen Versorgung benötigt, muss im Tagesdurchschnitt mindestens fünf Stunden betragen, wobei auf die Grundpflege mindestens vier Stunden entfallen müssen.

Zuordnung zu den Pflegestufen

In Pflegestufe I sind etwa 52,5% der Pflegebedürftigen eingestuft, in Pflegestufe II sind es 34,7% und in Pflegestufe III 12,8%.
Von den Personen in Pflegestufe III sind etwa 2% als Härtefall eingestuft.
(Stand: Mai 2007, Quelle: BMG)

Sozialgesetzbuch XI, § 14

(1) Pflegebedürftig im Sinne dieses Buches sind Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, in erheblichem oder höherem Maße (§ 15) der Hilfe bedürfen.


(2) Krankheiten oder Behinderungen im Sinne des Absatzes 1 sind: Verluste, Lähmungen oder andere Funktionsstörungen am Stütz- und Bewegungsapparat, Funktionsstörungen der inneren Organe oder der Sinnesorgane, Störungen des Zentralnervensystems wie Antriebs-, Gedächtnis- oder Orientierungsstörungen sowie endogene Psychosen, Neurosen oder geistige Behinderungen.


(3) Die Hilfe im Sinne des Absatzes 1 besteht in der Unterstützung, in der teilweisen oder vollständigen Übernahme der Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens oder in der Beaufsichtigung oder Anleitung mit dem Ziel der eigenständigen Übernahme dieser Verrichtungen.


(4) Gewöhnliche und regelmäßig wiederkehrende Verrichtungen im Sinne des Absatzes 1 sind

  1. im Bereich der Körperpflege das Waschen, Duschen, Baden, die Zahnpflege, das Kämmen, Rasieren, die Darm- oder Blasenentleerung,
  2. im Bereich der Ernährung das mundgerechte Zubereiten oder die Aufnahme der Nahrung,
  3. im Bereich der Mobilität das selbständige Aufstehen und Zu-Bett-Gehen, An- und Auskleiden, Gehen, Stehen, Treppensteigen oder das Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung,
  4. im Bereich der hauswirtschaftlichen Versorgung das Einkaufen, Kochen, Reinigen der Wohnung, Spülen, Wechseln und Waschen der Wäsche und Kleidung oder das Beheizen.
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