Pflegeversicherung: Ohne Antrag keine Leistungen

Pflegebedürftigkeit ist ein Schicksal, das jeden treffen kann – nicht nur im Alter. Auch junge Menschen können durch Krankheiten oder Unfälle plötzlich auf fremde Hilfe angewiesen sein. Für häusliche oder stationäre Pflegedienste und Pflegeleistungen zahlt in der Regel die Pflegeversicherung – allerdings nur, wenn der Versicherte als pflegebedürftig eingestuft wird.

Wer Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen möchte, ist daher gezwungen zuerst einen Antrag auf Pflegeleistungen zu stellen.

Wie kann ich den Antrag stellen?

Den Antrag können Sie formlos bei Ihrer Krankenkasse bzw. Pflegekasse stellen.

Formlos bedeutet hierbei, dass er grundsätzlich auch telefonisch, per Email oder auch schriftlich gestellt werden kann.

Grundsätzlich ist es aber immer sinnvoll im Umgang mit der Pflegekasse die Dinge schriftlich zu machen, um später Unterlagen zu haben wenn es zu Unstimmigkeiten kommt.

Wo befindet sich die Pflegekasse?

Die Pflegekasse ist zwar eine eigenständige Körperschaft öffentlichen Rechts, befindet sich jedoch in den Räumlichkeiten Ihrer Krankenkasse bei der sie krankenversichert sind.

Muss ich den Antrag selbst formulieren?

Den Antrag auf Pflegeleistungen müssen Sie nicht selbst formulieren. Jede Pflegekasse hat hierzu ein Formular entwickelt, welches Sie jederzeit dort anfordern können.

Wer hilft mir beim Ausfüllen des Antrags?

Wenn Sie Hilfe beim Ausfüllen des Antrags benötigen, können Sie den Antrag zusammen mit einem Mitarbeiter der Pflegekasse ausfüllen. Die Pflegekasse ist gesetzlich dazu verpflichtet Ihnen hierbei zu helfen und Sie zu beraten.

Wie erkenne ich, ob ich berechtigt bin Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch zu nehmen?

Als Faustregel gilt: Sie können Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten, wenn ein erheblicher oder höherer Hilfebedarf bei den gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens besteht. Der Hilfebedarf muss auf Dauer, mindestens aber für 6 Monate bestehen. Nähere Informationen erhalten Sie in einem weiteren Artikel.

Kann ich Leistungen der Pflegeversicherung auch rückwirkend beantragen?

Leider nein - Leistungen werden nicht rückwirkend erbracht, sondern frühestens vom Monat der Antragstellung an. Hier genügt die Antragstellung am Monatsende, um die gesamte Leistung für den Monat zu erhalten. Voraussetzung ist natürlich, dass die Pflegebedürftigkeit schon bestand.
Geht der Antrag später als einen Monat nach Eintritt der Pflegebedürftigkeit bei der Pflegekasse ein, werden die Leistungen vom Beginn des Monats an gewährt, in dem Sie den Antrag gestellt haben.

Wer muss den Antrag unterschreiben?

Der Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung muss grundsätzlich vom möglichen Pflegebedürftigen unterschrieben werden. Sofern dies jedoch nicht möglich ist, kann dies auch von einem Bevollmächtigten bzw. dem gesetzlichen Vertreter erfolgen.

Bei Kindern unter 15 Jahren muss der gesetzliche Vertreter den Antrag unterschreiben, da Kinder bis 15 Jahren nach dem Sozialgesetzbuch (§ 36 SGB I) noch nicht handlungsfähig sind.

Wie lange muss ich auf die Antwort meiner Pflegekasse bezüglich meines Antrags warten?

Aufgrund der Pflegereform, welche im Juli 2008 in Kraft getreten ist, sind die Pflegekassen dazu verpflichtet innerhalb von 5 Wochen über den Antrag zu entscheiden.

Leistungsberechtigt ohne Wenn und Aber?

Sofern ich die zeitlichen Vorgaben erfülle, habe ich auch einen Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung. So oder so ähnlich denken viele gesetzlich Versicherte.

Allerdings geht dieser Gedanke fehl. Ein entscheidendes Merkmal um Leistungen der Pflegeversicherung zu erhalten, muss zusätzlich noch vorliegen, die Vorversicherungszeit.

Was ist die Vorversicherungszeit - und welche Versicherungszeiten werden angerechnet?

Die Vorversicherungszeit ist der Zeitraum in dem Sie als Mitglied in der sozialen Pflegeversicherung versichert waren. Zeiten als Familienversicherter werden zusätzlich auch angerechnet.

Für familienversicherte Kinder welche die Vorversicherungszeit selbst nicht erfüllen können, gilt die Vorversicherungszeit dann als erfüllt, wenn ein Elternteil sie erfüllt.

Werden auch Versicherungszeiten in der Privaten Pflegeversicherung berücksichtigt?

Ja, die Zeit der bis zum Beginn der Versicherungspflicht in der sozialen Pflegeversicherung ununterbrochen in der privaten Pflegeversicherung zurückgelegten Versicherungszeit wird angerechnet. Dies kann z.B. dann relevant werden, wenn Sie aus der Selbständigkeit in ein Angestelltenverhältnis wechseln.

Jedoch werden Versicherungszeiten in der privaten Pflegeversicherung, die nicht bis zum Beginn der Versicherungspflicht in der sozialen Pflegeversicherung andauerten nicht angerechnet. Entscheidendes Merkmal ist hierbei somit die ununterbrochene Versicherungszeit.

Werden auch Versicherungszeiten im Ausland anerkannt?

Ja - zum Teil - Mitgliedszeiten in einem anderen Staat des Europäischen Wirtschaftsraums sowie der Schweiz können zur Erfüllung der Vorversicherungszeit dienen. Berücksichtigung finden hierbei nicht nur Zeiten in der Pflegeversicherung, sondern auch Zeiten in der gesetzlichen Krankenversicherung eines anderen Staates des Europäischen Wirtschaftsraumes sowie der Schweiz.

Allerdings gilt, dass wenn die Vorversicherungszeit ausschließlich durch Zeiten in einem anderen Staat erfüllt wird, vorher eine Versicherung in der deutschen Pflegeversicherung bestanden haben muss.

Wann habe ich die Vorversicherungszeit erfüllt?

Mit Einführung der Pflegereform zum 01.07.2008 wurde die nachzuweisende Vorversicherungszeit von 5 Jahren auf 2 Jahre in den letzten 10 Jahren vor Antragstellung reduziert.

Im Ergebnis muss somit in den letzten 10 Jahren mindestens 2 Jahre lang ein Versicherungsverhältnis in der gesetzlichen Pflegeversicherung bestanden haben.

Das Vorliegen der Vorversicherungszeit wird allerdings zwingend von der Pflegekasse geprüft.

Wie berechne ich die Vorversicherungszeit?

Die Vorversicherungszeit ist analog dem Zivilrecht in Jahre, Monate und Tage umzurechnen; hierbei werden Kalendermonate mit 30, Teilmonate mit den tatsächlichen und ein Kalenderjahr stets mit 365 Tagen berücksichtigt.

Auch dies ist durch die Pflegekasse selbst vorzunehmen.

Was passiert, wenn ich die Vorversicherungszeit zum Zeitpunkt der Antragsstellung noch nicht erfüllt habe?

Sofern Sie die Versicherungszeit nicht erfüllt haben, werden Sie nach Antragstellung von Ihrer Pflegekasse darüber informiert, zu welchem Zeitpunkt - bei fortlaufender Versicherung - die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen vorliegen.

Sofern zu diesem Zeitpunkt weiterhin ein Hilfebedarf bei Ihnen vorliegt, müssen Sie erneut einen Antrag bei Ihrer Pflegekasse stellen.

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